Mit EFT Angst regulieren statt bekämpfen?
Eine Einordnung von Clond (2016)
Veränderungsprozesse – ob persönlich, beruflich oder im Coaching – gehen fast immer mit Angst einher. Vielleicht kennst du diese Momente: Angst vor dem Scheitern, vor Unsicherheit oder davor, vertraute Muster loszulassen. Genau hier setzt das diskutierte Paper an. Es untersucht, ob und in welchem Ausmaß Emotional Freedom Techniques (EFT) dabei helfen können, Angst zu regulieren. Für Veränderungsarbeit ist das besonders relevant, weil Angst nicht nur ein Begleitgefühl ist, sondern oft der entscheidende Faktor, der Entwicklung blockiert oder verlangsamt. Methoden, die dir helfen, Angst wahrzunehmen und zu regulieren, ohne sie zu verdrängen, können Veränderung überhaupt erst möglich machen.
1. Worum geht es in der Studie?
Das Paper von Clond (2016) ist eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse. Untersucht wurden:
- 14 randomisierte kontrollierte Studien (Randomized Controlled Trials)
- insgesamt 658 Teilnehmende
- Zielvariable: Angst (u. a. Angststörungen, spezifische Phobien und Posttraumatische Belastungsstörung)
EFT ist eine Methode zur Emotionsregulation, die Elemente aus:
- Exposition (bewusstes Aktivieren belastender Inhalte),
- kognitiver Arbeit (z. B. Selbstakzeptanzformulierungen)
- und somatischer Stimulation (sanftes Klopfen bestimmter Körperpunkte) verbindet.
Die Meta-Analyse hatte zum Ziel, die Wirksamkeit von EFT bei Angstsymptomen zusammenfassend zu bewerten und sie mit Kontrollbedingungen sowie anderen aktiven Behandlungsansätzen zu vergleichen.
2. Zentrale Erkenntnisse
Die Meta-Analyse führte zu mehreren wichtigen Erkenntnissen:
Erkenntnis 1: Emotional Freedom Techniques (EFT) reduzieren Angstsymptome deutlich. Im Vergleich zu keiner Behandlung oder Wartelisten-Kontrollgruppen zeigte EFT eine große Effektstärke. Das spricht für klinisch relevante Verbesserungen bei Angstsymptomen.
Erkenntnis 2: EFT ist nicht überlegen gegenüber etablierten Therapien. Im Vergleich zu aktiven Behandlungsansätzen wie der Kognitiven Verhaltenstherapie (Cognitive Behavioral Therapy)oder Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. EFT war also vergleichbar wirksam, aber nicht überlegen.
Erkenntnis 3: Besonders starke Effekte bei bestimmten Angstformen. Die größten Effekte wurden bei Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung sowie bei spezifischen Phobienbeobachtet.
Erkenntnis 4: Wiederholung verstärkt die Wirkung. Studien mit mehreren Sitzungen zeigten stärkere Effekte als Einmalinterventionen. Regelmäßige Anwendung scheint ein zentraler Wirkfaktor zu sein.
3. Einordnung und Reflexion
Was bedeutet das für dich, wenn du dich verändern möchtest?
Die Studie legt nahe, dass Angst regulierbar ist: auch dann, wenn sie Teil eines größeren Veränderungsprozesses ist. Für dich heißt das: Du musst nicht warten, bis Angst „weg“ ist, um einen nächsten Schritt zu gehen. Vielmehr kann es hilfreich sein, Methoden zu nutzen, die dir erlauben, Angst wahrzunehmen, zu begleiten und ihre Intensität zu reduzieren. Veränderung wird dadurch nicht angstfrei, aber oft handhabbarer.
Wo liegen die Grenzen dieser Studie?
Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich stark hinsichtlich Zielgruppen, Settings und Anzahl der Sitzungen. Diese Heterogenität schränkt die Vergleichbarkeit ein. Zudem stammt ein Großteil der Forschung aus einem relativ kleinen wissenschaftlichen Feld, was mögliche Verzerrungen begünstigt. Die Studie zeigt also, dass EFT wirkt, beantwortet aber nicht abschließend, für wen, unter welchen Bedingungen und über welche Mechanismen die Wirkung zustande kommt.
Was wird häufig missverstanden?
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, EFT sei eine schnelle Technik, mit der Angst „weggeklopft“ werden kann. Die Meta-Analyse unterstützt diese Sichtweise nicht. Vielmehr deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Wiederholung, Emotionsaktivierung und bewusste Selbstregulation zentrale Wirkfaktoren sind. EFT ist kein Ersatz für Therapie und kein Garant für Veränderung, sondern ein mögliches Werkzeug im Umgang mit emotionalen Prozessen.
4. Transfer in Alltag und Coaching
Für deinen Alltag, und auch für Coaching-Kontexte, lassen sich aus der Studie mehrere hilfreiche Impulse ableiten:
- Angst muss nicht verschwinden, damit du handlungsfähig wirst. Entscheidend ist oft, dass du lernst, Angst zu regulieren, statt gegen sie anzukämpfen.
- Wiederholung schafft Sicherheit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass regelmäßige Anwendung wirksamer ist als einmalige Interventionen. Veränderung entsteht selten durch einen einzelnen Moment, sondern durch wiederholte Erfahrungen.
- Emotionen dürfen sich zeigen. EFT arbeitet nicht gegen Emotionen, sondern mit ihnen. Genau das kann dir helfen, innere Blockaden wahrzunehmen und Schritt für Schritt zu lösen.
Im Coaching kann EFT daher als ergänzendes Werkzeug dienen, um emotionale Prozesse zu begleiten, Selbstwirksamkeit zu stärken und Veränderung nachhaltiger zu gestalten.
5. Persönlicher Impuls
Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt, an dem Angst spürbar ist: besonders dann, wenn es darum geht, deinen eigenen Weg konsequent weiterzugehen.
Auch ich erlebe solche Phasen. Die Auseinandersetzung mit EFT zeigt mir immer wieder:
Nicht das Wegmachen von Angst bringt Bewegung, sondern das Zulassen, Wiederholen und allmähliche Loslassen.
Vielleicht ist genau das eine hilfreiche Frage für dich:
Welche Angst ist es Zeit, gehen zu lassen, und welche darf einfach da sein, ohne dich aufzuhalten?
6. Quelle
Clond, M. (2016). Emotional freedom techniques for anxiety: a systematic review with meta-analysis. The Journal of nervous and mental disease, 204(5), 388-395.
Understand it. Feel it. Change it.
Milena
Hinweis
Die hier dargestellten Inhalte dienen der Information und persönlichen Reflexion und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Behandlung.
